Die Geschichte des Pulsnitzer Blaudruckes

Blaudruck, dieses alte Handwerk, wird fü Deutschland 1689 erstmalig in einer Augsburger Chronik erwähnt. Der Schön- und Schwarzfärber Jeremias Neuhof übte diese neue und hochmodische Art der Stoffbemusterung - den Reservedruck, der mit Indigoüberfärbung gestaltet wurde, als erster in Deutschland aus. Die Art der Farbgestaltung, dem damals stark in Mode gekommenen Chinaporzellan entlehnt, verbreitete sich dann sehr schnell. So entstanden in der Nähe der Hauptzentren der Schwarz- und Schönfärberzünfte auch rasch Blaudruckwerkstätten. In einer solchen originalen Werkstatt arbeiten wir noch heute in Pulsnitz auf der Bachstraße.

Diese Werkstatt hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Der Blaudruck ist in Pulsnitz schon vor 1739 beheimatet - so ist es aus alten Wanderbüchern der Blaudruckergesellen zu entnehmen. Er wurde hier bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges betrieben.
Ohne Gerhart Stein, der als Kriegsflüchtling Schlesien verliess und wegen der bekannten Blaudruck Tradition 1946 nach Pulsnitz kam, wäre diese Tradition erloschen. Er erweckte als gestandener Blaudrucker dieses Handwerk zu neuem Leben.

Gerhart Stein stammte aus einer alten Blaudrucker Familie, die bereits 1633 als Schwarzfärber in Steinau a. d. Oder in Schlesien erwähnt werden. Das älteste erhaltene Motiv der Werkstatt “Josuar und Kaleb” gestaltete Samuel Stein 1720 als Gesellenstück Gemeinsam mit seinem Formenstecher Ewald Drescher, der aus dem Sudetenland floh und sich ebenfalls in Pulsnitz ansiedelte, baute Stein mit viel Mühe und Engagement die Blaudruckwerkstatt auf. Dies geschah zusammen mit einem erfahrenen Blaudrucker in einer alten, schon längst nicht mehr bewirtschafteten Schwarzfärberei. Durch eine grosszügige Schenkung der Firma E. W. Müller (Pulsnitz) konnte ein Grossteil von Druckmodeln übernommen werden. Mühevoll kam die Produktion wieder in Gang.

Wer heute zu uns in die Werkstatt schaut, fühlt sich 250 Jahre zurück versetzt. Besichtigungen unserer Werkstatt sind nach Absprache möglich. An grossen Drucktischen werden Baumwoll- oder Leinenstoffe Stück für Stück mit Modeln bedruckt. Model sind Holzformen, die entweder geschnitzt oder mit feinen Messingstiften und -blechen das jeweilige Muster ergeben. Hergestellt werden diese Model von einem Formenstecher und bilden den Schatz der Werkstatt. Gedruckt wird mit einer Reservierung, dem Papp, dessen Zusammensetzung uraltes Betriebsgeheimnis ist. Dieser Papp verhindert, dass beim zweiten Arbeitsgang, der anschliessenden Indigo Färbung, die bedruckten Musterstellen eingefärbt werden. Nach einem langwierigen Färbeprozess, in grossen Bottichen (Küpen), wird der Papp wieder entfernt, und das ursprüngliche Weiss des Stoffes erstrahlt auf dunkelblauem Grund - die wunderschönen Muster werden sichtbar.
Die Pulsnitzer Werkstatt, als vermutlich älteste noch in Deutschland arbeitende Blaudruck Werkstatt, zeigt den originalen Blaudruck unverfälscht in seiner ursprünglichen Tradition und mit einer bemerkenswert breitgefächerten Mustervielfalt.

Die Blaudruckwerkstatt Pulsnitz bietet ein umfangreiches Sortiment an Decken, Läufern, behängen, Sets, Servietten, Tischbändern, Kissenbezügen und Schürzen sowie ein spezielles Weihnachts- und Ostersortiment. Das Sortiment erweitert sich ständig. Selbstverständlich werden auch Sonderwünsche ausgeführt. Zudem gibt es als neues Highlight, eine Modekollektion für alle Gelegenheiten. Schauen Sie bei uns vorbei und lassen Sie sich von der Vielfalt überraschen
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